Koronare Herzkrankheit

Was ist eine koronare Herzkrankheit?

In Deutschland gehört die koronare Herzkrankheit, abgekürzt KHK, zu den „Volkskrankheiten“ und ist die häufigste Todesursache. Als Folge dieser Erkrankung kann es zu einer Minderversorgung des Herzens mit Blut kommen, was letztendlich zu Brustenge und Herzinfarkt führen kann. Männer leiden häufiger an einer koronaren Herzkrankheit als Frauen.

Wie entsteht die koronare Herzkrankheit?

Die koronare Herzkrankheit entsteht durch verengte Herzkranzgefäße (Koronararterien). Diese Gefäße liegen wie ein Kranz um das Herz. Sie versorgen es mit Blut und damit auch mit Sauerstoff. Die Verengungen entstehen durch Ablagerungen von Fett und Kalk an den Innenwänden der Herzkranzgefäße (Plaques, sogenannte Arteriosklerose). Dadurch bekommt der Herzmuskel nicht mehr genügend Sauerstoff. Dies äußert sich durch (oft anfallsartige) Schmerzen, meist in der Mitte des Brustraums, hinter dem Brustbein. Sie können in die Schulter, den Nacken, den Hals, den Kiefer oder auch in den Arm (meist links) und das Handgelenk („wie Handschellen“) ausstrahlen. Manchmal treten die Schmerzen auch im Oberbauch auf. Gleichzeitig tritt ein Engegefühl ein. Es kann sich anfühlen, als ob man in einen Schraubstock eingezwängt wäre. Dieses Engegefühl und die Schmerzen in der Brust bezeichnet man auch als Angina pectoris. Bei vielen Patienten treten die Beschwerden besonders bei körperlicher Belastung oder bei Stress auf.

Die Beschwerden müssen nicht immer auftreten. Sind die Gefäße nur leicht verengt, müssen Sie nicht unbedingt Beschwerden verspüren. Sind die Gefäße sehr stark verengt, können allerdings sehr starke Schmerzen auftreten. Dies kann sogar zu einem Herzinfarkt führen und damit lebensbedrohlich werden. 

 

Auch Atemnot kann auf eine koronare Herzkrankheit hinweisen. Weitere Symptome können Schwindel, Übelkeit und ein Gefühl der Lebensbedrohung sein.

 

Es kann auch sein, dass Sie die Anzeichen einer koronaren Herzerkrankung gar nicht bemerken. Dies wird als „stumme Ischämie“ bezeichnet. Die Erkrankung des Herzmuskels kann dann nur mithilfe von Untersuchungen erkannt werden, vor allem mit einem Elektrokardiogramm (EKG).

 

Schmerzen im Brustbereich sind nicht notwendigerweise auf eine Angina pectoris zurückzuführen. Nur Ihre Ärztin bzw. Ihr Arzt kann Ihnen sagen, ob es sich tatsächlich um eine Angina pectoris handelt. Die Schmerzen bei stabiler Angina pectoris hören meist 1–5 Minuten nach Ende der Belastung auf.

Risikofaktoren für die Entstehung einer koronaren Herzkrankheit

Risikofaktoren sind vor allem Rauchen, wenig Bewegung und falsche Ernährung (Übergewicht). Auch das Alter, das Geschlecht und Arteriosklerose (Verkalkung der Arterien) bei Verwandten 1. Grades sind Faktoren, die das Risiko erhöhen können. Weitere Risikofaktoren sind Störungen des Fettstoffwechsels (zu hohe Fettwerte), Zuckerkrankheit

(Diabetes mellitus) und Bluthochdruck.

Formen der koronaren Herzkrankheit

 

Stabile Angina pectoris (Belastungsbeschwerden)
Bei dieser Form der Angina pectoris treten die Beschwerden oft anfallsartig immer wieder bei bestimmten Belastungen bzw. Belastungsintensitäten (z. B. beim Treppensteigen oder Sport) in gleicher Intensität auf. Auch kaltes Wetter oder seelische Aufregung können die Beschwerden auslösen.

 

Instabile Angina pectoris
Bei einer instabilen Angina pectoris treten die Beschwerden plötzlich und auch ohne erkennbare Anlässe, also ggf. auch in Ruhe, auf. Meist dauert der "Anfall" sehr lange, hört aber von selbst wieder auf. Aus einer instabilen Angina pectoris kann sich jedoch ein Herzinfarkt (Myokardinfarkt, Myokard = mittlere Wandschicht des Herzmuskels), entwickeln. Die Situation ist dann akut lebensbedrohlich.

 

Akutes Koronarsyndrom
Treten die Angina-pectoris-Schmerzen in Ruhe auf und halten sie außergewöhnlich lange an bzw. hören sie nach einer Belastung nicht mehr auf, handelt es sich um ein akutes Koronarsyndrom. Diese Phase der KHK kann unmittelbar lebensbedrohend sein. Zum akuten Koronarsyndrom zählen:

Beim Herzinfarkt ist ein Herzkranzgefäß so stark verengt, dass es nicht mehr durchgängig ist. Dadurch wird ein Teil des Herzmuskels unzureichend durchblutet und somit zerstört. Die Beschwerden sind die gleichen wie bei einer instabilen Angina pectoris, allerdings stärker und länger anhaltend. Ein Herzinfarkt kann auch „aus heiterem Himmel“ auftreten, ohne dass man vorher Angina-pectoris-Beschwerden hatte.

 

Da ein Herzinfarkt lebensbedrohlich sein kann, ist es wichtig, dass die Behandlung so schnell wie möglich (innerhalb von 4 Stunden) erfolgt. Denn sonst besteht das Risiko, dass ein Teil des Herzmuskels irreversibel geschädigt wird.

 

Leider sind manche Herzinfarkte nicht sofort erkennbar (=„stummer“ Infarkt). Sie werden erst zufällig bei einer Routineuntersuchung durch ein Elektrokardiogramm (EKG) entdeckt. Häufig sind Menschen mit Diabetes von dieser Form des Herzinfarktes betroffen. Nur mit einem EKG und einem Bluttest lässt sich ein Herzinfarkt von einer instabilen Angina pectoris unterscheiden.

 

Von Herzinsuffizienz (Herzschwäche) wird gesprochen, wenn das Herz zu schwach ist, um noch genügend Blut und damit Sauerstoff und Nährstoffe zu Organen wie Gehirn, Nieren oder Muskeln pumpen zu können. Im fortgeschrittenen Stadium ist die Herzmuskelschwäche sogar lebensbedrohend. Herzinsuffizienz kann verschiedene Ursachen haben, die häufigste Ursache ist jedoch die koronare Herzkrankheit.

Wie können Sie eine koronare Herzkrankheit erkennen?

Sie erkennen einen akuten Anfall einer koronaren Herzkrankheit an folgenden Krankheitszeichen:

  • stechender Schmerz in der Brust, hinter dem Brustbein, der auch ausstrahlen kann (z. B. in den Nacken, die Arme oder den Oberbauch)
  • Druckgefühl in der Brust
  • Luftnot
  • Schweißausbrüche oder Übelkeit
  • Angstgefühl

 

Die Symptome der KHK können spontan, ohne erkennbare Ursache oder belastungsabhängig auftreten. Typische Auslöser sind:

  • körperliche Belastung
  • Kälte
  • umfangreiche Mahlzeiten
  • psychische Belastung 

Wenn Sie unter diesen Beschwerden leiden, rufen Sie am besten sofort den Notarzt!

Welche Untersuchungen sind erforderlich?

Um festzustellen, ob eine koronare Herzkrankheit vorliegt bzw. wie weit sie fortgeschritten ist, führt die Ärztin bzw. der Arzt verschiedene Untersuchungen durch.

 

Elektrokardiogramm (EKG)
Ein EKG misst winzige elektrische Ströme (für Herzfunktion nötig), die auf der Körperoberfläche abgeleitet werden. Dazu werden an Brust und Händen Elektroden angelegt. Es können bis zu 12 verschiedene Kurven aufgezeichnet werden, die der Ärztin bzw. dem Arzt sagen, ob man unter einer koronaren Herzkrankheit leidet.

Wenn der Anfall nicht akut ist und man bisher noch keinen Herzinfarkt hatte, ist das EKG meist normal. Nur während eines Anfalls können krankhafte Veränderungen festgestellt werden, die darauf hinweisen, dass das Herz minderdurchblutet ist. Hatte man im Vorfeld bereits einen Herzinfarkt, kann im EKG die Narbe davon erkennbar sein.

 

Belastungs-EKG (Belastungstoleranztest)
Bei dieser Untersuchung wird ein EKG unter Belastung geschrieben. Sie sitzen dazu auf einem „Fahrradergometer" (ähnlich wie ein Heimtrainer) oder laufen auf einem Laufband, dessen Geschwindigkeit und Steigung eingestellt werden können. Die Belastung wird schrittweise erhöht, bis das Herz die maximale Herzfrequenz erreicht hat (Sollwert = 220 – Alter), bis Schmerzen auftreten oder das EKG Auffälligkeiten zeigt.

 

Belastungstest in Kombination mit einer Myokardszintigrafie
Am Ende des Belastungstests werden radioaktiv markierte Substanzen, sogenannte Tracer, gespritzt, die sich an den gesunden Herzmuskel heften (= Myokardszintigrafie). An die kranken, verengten Herzkranzgefäße bindet die Substanz nicht. Anschließend wird der Patient unter eine Kamera platziert, welche die Radioaktivität misst und ein Bild des Herzgewebes, ein sogenanntes Szintigramm, erzeugt. Nach einigen Stunden wird unter Ruhebedingungen eine zweite Aufnahme erstellt. Die verengten Bereiche sind in dem Bild, das direkt nach der Belastung aufgenommen wird, als „Löcher" erkennbar. Unter Ruhebedingungen sind diese „Löcher“ nur dann sichtbar, wenn der Patient früher einmal einen Herzinfarkt erlitten hat.

 

Echokardiografie und Belastungsechokardiografie
Verschiedene Gewebe reflektieren Schallwellen unterschiedlich stark. Dadurch lassen sich die Strukturen von Organen darstellen. In Bilder umgewandelt und auf einem Monitor sichtbar gemacht, kann die Ärztin bzw. der Arzt das Organ beurteilen. Bei der Ultraschalluntersuchung des Herzens (Echokardiografie, kurz: Herzecho) kann die Größe der Herzkammern, die Dicke der Herzwand, die Funktion der Herzklappen und die Pumpleistung des Herzmuskels dargestellt werden. Die Ärztin bzw. der Arzt können auf diese Weise Infarktnarben erkennen. Die Herzkranzgefäße können bei dieser Untersuchung jedoch nicht direkt sichtbar gemacht werden.

 

Bei der Belastungsechokardiografie wird die Funktion des linken Ventrikels (der linken Herzkammer) bei erhöhter Herzarbeit (wenn das Herz sehr schnell schlägt) analysiert. Dazu tritt der Patient entweder auf einem Heimtrainer oder es wird ein Medikament gespritzt, das den Herzschlag beschleunigt. Bei gesunden Herzkranzgefäßen verstärkt das Medikament die Kontraktion des Ventrikels. Diese wird außerdem gleichmäßiger. Ist eine Arterie verengt, kontrahiert der betroffene Bereich nicht mehr so, wie er sollte – ein Zeichen für eine koronare Herzkrankheit.

 

Koronarangiografie
Bei einer Koronarangiografie wird ein radioaktives Kontrastmittel in das Blut gespritzt. Aufnahmen des Kontrastmittels im Körper machen die Blutgefäße sichtbar. Man kann dann sehr gut erkennen, an welchen Stellen die Gefäße verengt sind.

Dieses Verfahren kann das Vorliegen einer koronaren Herzerkrankung bestätigen. Ferner können auch das Ausmaß und der Schweregrad der Erkrankung bestimmt werden.

 

Ventrikulografie
Meist wird auch eine Ventrikulografie durchgeführt, bei der das Herzinnere aufgenommen wird. Mit diesem Verfahren lässt sich die Qualität der Herzkontraktion beurteilen.

Therapie der koronaren Herzerkrankung

Medikamentöse Therapien

Antianginöse Medikamente (Sie sollen Beschwerden unter Belastung verhindern oder reduzieren.)

    • Nitroglyzerin und seine Derivate (wirkt schnell bei Angina-pectoris-Anfällen). Als Betroffener sollte man stets ein solches Mittel griffbereit haben.
    • Betablocker (lassen das Herz langsamer schlagen, senken den Blutdruck und verbessern die Prognose nach einem vorausgegangenen Myokardinfarkt).
    • Ivabradin wirkt gegen Angina-pectoris-Beschwerden.

 

Antithrombotische Medikamente (Sie werden zur Sekundärprävention [=alle Maßnahmen zur Früherkennung, um eine Krankheit rechtzeitig behandeln zu können] eingesetzt. Sie verhindern die Bildung von Blutgerinnseln in den Herzkranzgefäßen oder lösen Gerinnsel auf, die einen Infarkt verursacht haben.)

    • Thrombozytenaggregationshemmer (hemmen die Zusammenlagerung von Blutplättchen [= Thrombozyten] und verhindern so die Blutgerinnung)
    • orale Antikoagulanzien („Gerinnungshemmer"; verhindern die Bildung von Blutgerinnseln, indem sie die Blutgerinnung hemmen)
    • injizierte Antikoagulanzien (z. B.Heparin, verhindern die Blutgerinnung)
    • Cholesterinsenker (z. B. Statine; senken den Blutspiegel von „schlechtem“ Cholesterin)

Interventionelle Therapie (gezielte Eingriffe am erkrankten Gewebe)

  • Operation an den Koronararterien
  • Koronararterienbypass
  • Koronarangioplastie oder Ballondilatation (zur Behandlung von Verengungen ohne Operation)